Tipps und Infos rund ums Schreiben und Verlegen

Wie lange braucht ein Verlag wirklich, um ein Manuskript zu prüfen?

Ein launiger Blick hinter die Kulissen. Von Wolfgang Stock, Ex-Cheflektor ECON-Verlag und BuchMarkt-Kolumnist. Foto: Daniel Biskup.

Wie viel Zeit braucht ein gutes Verlagshaus, um ein unaufgefordert eingesandtes Manuskript zu prüfen? Sollten Sie nach 3 Monaten nichts von uns gehört haben, so passt Ihr Buchmanuskript leider nicht in unser Programm. So, oder so ähnlich, liest man auf mancher Homepage der Verlage. Leider können wir wegen der Vielzahl der Einsendungen keine Manuskripte zurücksenden oder individuelle Einschätzung mitteilen.

So weit, so gut. Drei Monate, uff! Der Verweis der Verlage auf die Monatsfristen suggeriert ein wenig, dass man sich intensiv mit den vielen Manuskripten befassen müsse, deshalb die lange Zeitspanne. Doch Hand aufs Herz, wie lange brauchen die Lektorate in den großen Verlagshäusern tatsächlich, um die Qualität eines Titel zu beurteilen?

Versuchen wir es einmal mit mathematischer Logik. Wir haben damals im Verlag rund 20 Vorschläge am Tag erhalten. Wenn man – sagen wir mal – pro Manuskript eine Stunde Prüfzeit ansetzt, dann benötigt man für die Manuskripte eines Tages 20 Stunden Prüfzeit. Bei 8 Stunden Arbeitszeit wären also 2 bis 3 Lektoren damit ausgelastet, von morgens bis abends Manuskripte zu prüfen. Sie merken schon, es wird kurios.

Ein Lektor hat vielfältige Aufgaben: Er muss Programme zusammenstellen, Verlagsautoren betreuen, die Novitäten lektorieren, Herstellung anleiern, Marketing koordinieren, mit dem Controlling im Clinch liegen, Pressearbeit anstossen, Messen besuchen, mit Journalisten sprechen, sich weiterbilden. Für die Beurteilung von unaufgeforderten Neulings-Projekten bleibt so gut wie keine Zeit. Sagen wir sehr großzügig: 5 Prozent der Arbeitszeit eines Lektors bleiben für die Begutachtung von Einsendungen.

Um das eingangs genannte Beispiel aufzugreifen: Einem Lektor blieben also pro Tag 24 Minuten Zeit für die Prüfung von 20 Manuskripten. Und dazu muss man wissen, dass Verlagslektorate sehr schmal besetzt sind. Da laufen keine fünf Lektoren für ein Fachgebiet rum, höchstens einer, allenfalls zwei. So sieht die Rechnung aus, und die Wirklichkeit nicht viel anders.

Die Vorstellung, ein Lektor würde sich eine Stunde in die Prüfung eines unaufgefordert zugeschickten Manuskriptes reinbeißen, ist weltfremd. Ein Lektor schaut sich bestenfalls ein Kurz-Exposé an, beim Manuskript die Gliederung, liest vorne, in der Mitte und am Schluß ein wenig, schaut auf die Vita des Autors – und hat dann sein Urteil. So läuft es ab. Bestenfalls. Um nicht zu sagen, die Ausnahme.

Denn ein Lektor im Verlag ist eine Fachperson mit Erfahrung. Ähnlich einem Musik-Experten, der schon nach den ersten Takten merkt, ob jemand wirklich Klavier spielen kann. Genauso gut erkennt ein versierter Lektor, ob ein Manuskript etwas taugt oder nicht. Ob es von Stil und Aufbau gut ist, oder nicht. Ob es ins Programm passt, oder nicht. 

Ein erfahrener Lektor, das Manuskript vor sich, weiß schon nach Lesen der ersten Seite, wie der Hase läuft. Ich behaupte mal ganz frech, schon nach dem ersten Satz kann man beurteilen, in welche Richtung ein Manuskript kippt. Und deshalb läuft es genau so in den Lektoraten. Prüfzeit für die allermeisten Manuskripte: minutenschnell, bisweilen sekundenschnell. Das ist nicht weiter schlimm. Es ist professionell. 

Das Drama liegt woanders. Schlimm ist, dass Autor oder Autorin – voller Hoffnung und Bangen – monatelang auf eine Antwort des Verlages warten. Falls überhaupt eine kommt.  

 

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  1. Dirk Osygus

    Der Artikel kratzt leider nur an der Oberfläche. Schade. Ein wenig mehr Hintergrundinformationen hätte ich schon erwartet, bei der Überschrift.

  2. Beate

    Danke schön für die Einblicke in das Verlagswesen und in die bedeutende Arbeit der Lektoren. Alles kann ich gut nachvollziehen. Dennoch könnte wenigstens eine automatisierte Antwort mit ein paar freundlichen Worten die Erwartungen der Autoren mildern.

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