Tipps und Infos rund ums Schreiben und Verlegen

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Der Mann als Nicht-Leser

Wolfgang Stock
Die launige Meinungs-Kolumne.
Gerne zugespitzt. Nicht die Wirklichkeit. Meine Wirklichkeit. Von Wolfgang Stock, Ex-Cheflektor ECON Verlag.
Foto: Daniel Biskup.

Neulich ein Blick auf die SPIEGEL-Bestsellerliste: alles bestens, alles bunt gemischt. Aus Spaß habe ich einmal nachgezählt, wie viele Autorinnen und Autoren dort vertreten sind. Das Ergebnis: 31 zu 9 – klarer Vorsprung für die Frauen. Was ist los mit uns Männern?

Vor einigen Jahren sprach ich mit einem der bedeutendsten deutschen Buchhändler, einem Mann, der die Branche kennt wie kaum ein anderer. Eine Bemerkung blieb mir besonders im Gedächtnis: Die wichtigste Zielgruppe seines Hauses seien Frauen zwischen 17 und 35 Jahren. Männer und ältere Leserinnen und Leser, so sagte er, seien deutlich schwerer in die Buchhandlungen zu locken und komplizierter anzusprechen. Deshalb lege man großen Wert darauf, dass sich junge Frauen in den Läden wohlfühlen.

Das war aufschlussreich. Dass der Buchmarkt seit Langem stark weiblich geprägt ist, war bekannt. Doch wie sehr Frauen den wirtschaftlichen Motor dieser Branche am Laufen halten, wird erst beim genaueren Hinsehen deutlich. Wer heute Bestsellerlisten studiert, gewinnt schnell den Eindruck, dass Literatur – sowohl die Belletristik als auch das Sachbuch – vor allem von Frauen geschrieben, gekauft und gelesen wird.

Frauen prägen den Markt als Autorinnen ebenso wie als Publikum. Die Bücherwelt ist eine Branche von Frauen für Frauen über Frauen. Themen, Sprache und Gestaltung vieler Bücher richten sich sichtbar an weibliche Leserinnen. Besonders auffällig ist dies im Krimi-Genre und bei Fantasy. Kein Wunder also, dass zahlreiche Verlage ihre Programme in den vergangenen Jahren immer stärker auf ein weibliches Publikum zugeschnitten haben.

Für uns Männer ist das keine besonders schmeichelhafte Entwicklung. Denn offenbar tragen wir selbst einen Teil der Verantwortung dafür, dass die Buchbranche um ihre männlichen Leser kämpft. Sind Frauen am Ende einfach die leidenschaftlicheren Leser? Wo sind die Männer geblieben? Sitzen sie tatsächlich lieber vor dem Fernseher oder verbringen ihre Freizeit auf dem Golfplatz? Oder fordert der Berufsalltag so viel Energie, dass für konzentriertes Lesen kaum noch Raum bleibt?

Wahrscheinlich steckt von allem etwas darin. Sicher ist nur: Die Entwicklung verstärkt sich selbst. Buchhandlungen wirken zunehmend weiblicher in ihrer Ansprache, Verlage investieren ihre Werbebudgets bevorzugt in Frauenzeitschriften, und viele Themen orientieren sich immer stärker an den Interessen weiblicher Leserinnen. So entsteht eine Spirale, die den Abstand weiter vergrößert.

Und natürlich bleibt der Spott nicht aus. Die Frauen zeigen uns Männern inzwischen ziemlich deutlich, wer im Kulturbetrieb den Ton angibt. Der Mann als Buchkäufer? Fast schon ein Exot.

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In Spanien werden so gut wie keine Bücher mehr verkauft

Buchmesse
Ein Foto von der Frankfurter Buchmesse. Leider schon etwas her. Aus dem Jahr 2010. Foto: W. Stock

Heute treffen Alarm-Zahlen aus Spanien ein. Die zunehmende Zahl von Neuerscheinungen führt zwar zu einer bibliografisch höheren Vielfalt. Die Zahlen des Branchenverbandes CEGAL (Confederación Española de Gremios y Asociaciones de Libreros) jedoch geben Anlass zur Sorge. Die Verkäufe brechen dramatisch ein: Nur 4,5 Prozent der Bücher erreichen eine Verkaufsauflage von mehr als 100 Exemplaren.

Nun ist Spanien seit jeher eine Kulturnation mit eher audio-visueller Prägung. Trotz Top-Autoren und dem riesigen lateinamerikanischen Markt ist die Infrastruktur unterentwickelt geblieben. Mit nur wenigen gut entwickelten Verlage, dazu landesweit mit einem dünnen Netz an Buchhandlungen. Und dennoch hat sich in den letzten Jahren eine ungute Entwicklung beschleunigt.

Das Internet dominiert auch die iberische Halbinsel. Auch nimmt die Konzentration auf Verlagsseite zu. Den Konzernen mit ihrem betriebswirtschaftlichen Rigorismus gelingt es nicht ausreichend, neue Autoren zu entdecken. Den Autoren hingegen fällt es selbst immer schwerer, auf sich aufmerksam zu machen.

Eine andere Zahl liest sich fast wie ein Todesstoß. Erschreckende 49,4 Prozent der in den 1.100 Buchhandlungen Spaniens erhältlichen Bücher verkaufen im Laufe eines Jahres kein einziges Exemplar. Die Zahl bezieht sich auf alle unabhängigen Buchhandlungen sowie die großen Ketten. Nicht berücksichtigt ist Amazon. Die Hälfte der Bücher bleibt also bei null.

In Deutschland ist die Situation nicht ganz so garstig. Doch in der Tendenz vergleichbar. Es laufen einfach zu viele Trends gegen die Buchbranche. Gefahr an jeder Straßenecke: die Stärke von Online, der Kostendruck durch Mieten und Gehälter, der explodierende Papierpreis, eine digitale Transformation, die am Printprodukt steckenbleibt.

Auch das Schulbuch-Geschäft, sonst eine sichere Bank, leidet unter der Digitalisierung im Unterricht. Hausgemacht für alle Branchen des Einzelhandels: Die Innenstädte tun sich zunehmend schwer, dem Publikum attraktive Verkaufserlebnisse zu bieten. Als Schicksal droht der Leerstand von Verkaufsflächen.

Es sieht nicht gut aus für dieses wundervolle Produkt namens Buch. In den schicken Häusern und Wohnungen wird heutzutage gar ganz auf eine Bücherwand verzichtet. Es ist ein langer Prozess weg von Print. Langsam, aber wer die Augen aufmacht, sichtlich und spürbar.

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Wird es in 100 Jahren noch Bücher geben?

Bücher
amazon
Die Liebe zum Buch. Als Macher und Leser. Foto: W. Stock, 2025.

In meinem häuslichen Büro läuft die längste Wand nur mit Bücherregalen. 800 Bücher vielleicht. Viele andere habe ich bereits verschenkt, weggeschmissen, verteilt. Wenn jemand zu Besuch kommt und die vielen Bücher erblickt, lautet die erste Frage: Haben Sie die alle gelesen? Viele habe ich sogar als Cheflektor betreut. Andere als Autor geschrieben oder mitgeschrieben. Und die, die dann noch übrig bleiben, habe ich in der Regel tatsächlich auch gelesen.

Über 800 Bücher im Haus. Damit bin ich von vorgestern. Moderne Wohnungen sehen in ihren Wohnzimmern nicht einmal ein schmales Buchregal vor. Das Buch verschwindet so langsam aus Häusern und Wohnungen. Fast unmerklich über die Jahre. Doch der Trend ist eindeutig.

Das Autorenleben ist kein Zuckerschlecken. Obwohl immer noch wichtige Manuskripte geschrieben werden, findet sich oftmals kein Verlag dafür. Wenn es dann doch erscheint, wird es wenig nachgefragt. Die meisten Bücher – Fachleute sagen: über 80 Prozent – verkaufen weniger als 100 Exemplare. In Deutschland erscheinen nach wie vor 70.000 Novitäten pro Jahr, die Durchschnittsauflagen nehmen jedoch merkbar ab.

Die jungen Leute lesen weniger als unsere Generation, es ist kein Vorwurf. Unsere Generation kannte ja kein Smartphone, kein TikTok oder Netflix. Das Angebot zur Mediennutzung war damals mickrig. Sonst wären wohl auch wir für das Buch verloren gewesen. Die Medienlandschaft fragmentiert sich zunehmend. Zum einen liegt dies an der Individualisierung der Lebenswelten, zum anderen an den technologischen Möglichkeiten. Dabei hat das Buch seinen einstigen Sonderstatus verloren. 

Es gibt aber auch helle Seiten. Eine Hoffnung: Print on Demand. Self Publishing. Die Gatekeeper-Schranke in den Verlagen ist gefallen. Technologische Fortschritte in Produktion und Vertrieb haben die Buchindustrie kostengünstiger gemacht. Für das einzelne Buch ist es in unseren Tagen einfacher, seine Kosten zu tragen. Ein Innovationssprung.

Oder Amazon. Die größte Buchhandlung der Welt. Die Sichtbarkeit für das einzelne Buch ist so hoch wie niemals zuvor. Für den Verkauf – aus Autorensicht – braucht es nur einen Mausklick des Interessenten. Ich kann an jedem Punkt der Erde mein Buch anbieten und Erlöse generieren. Die Margen sind – alles in allem – fair.

Trotzdem verzeichnen die digitalen Medien eine deutliche Schwachstelle. Nutzer und Nutzerinnen werden von der Quantität schier erschlagen. Die Fähigkeit, unendliche Datenmengen zu speichern und als Lesestoff anzubieten, fördert die Unübersichtlichkeit und mündet in einer frustrierenden Schnelllebigkeit.

Dagegen kann das Buch nach wie vor seine Stärke ausspielen. Dies hat sich in 500 Jahren nicht verändert. Es gibt kein anderes Medium, das einen Sachverhalt so tief und gründlich behandeln kann. Diese Stärke ist dem Buch über die Jahrzehnte nicht genommen worden. Deshalb bin ich sicher, dass es in 100 Jahren noch gedruckten Bücher geben wird.

Trotz zahlreicher disruptiver Medienwechsel hat ein neues Medium nirgends zum Verschwinden des alten beigetragen. Der Film hat das Theater nicht beseitigt, ebenso wie das Streaming dem Fernsehen nicht groß etwas anhaben kann. Das alte Medium ist in der Regel nicht verschwunden, es hat sich

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Jaime Bayly: „Die Genies“ – Ein Schubs vom Sockel

Jaime Bayly
Mario Vargas Llosa
Gabriel Gacría Márquez
Jaime Bayly: Die Genies. Foto: W. Stock.

Der Kolumbianer Gabriel García Márquez und der Peruaner Mario Vargas Llosa lernen sich 1967 auf dem Flughafen von Caracas kennen. Eine jahrelange Freundschaft nimmt ihren Anfang. In Barcelona leben sie als Nachbarn im Sarrià-Viertel, sie planen gar gemeinsam einen Roman zu schreiben. Doch jäh findet die Eintracht zwischen beiden gefeierten Schriftstellern ihr Ende.

Aus heiterem Himmel, in einem Kinosaal in Mexiko Stadt, holt Vargas Llosa zu einen rechten Haken aus und schlägt den wesentlich kleineren García Márquez zu Boden, verpasst ihm ein blaues Auge und bricht ihm die Nase. „Dies ist für das, was du Patricia angetan hast!“, ruft der Peruaner erzürnt. Alle Anwesenden rätseln: Was ist passiert? Was bloß hat García Márquez der Frau von Vargas Llosa angetan?

Gleich im ersten Kapitel des Buches kommt Jaime Bayly zur Sache und schildert den bizarren Vorfall in Mexiko. Doch Baylys Roman ist mehr als die Chronik eines Schurkenstücks. Seine Erzählung beschreibt aus einer Innensicht die Jahre des lateinamerikanischen Booms anhand seiner wichtigsten Protagonisten. Im Wesentlichen folgt die Aufklärung der Causa der Biografie von MVLL, wie der Peruaner in seiner Heimat genannt wird, sowie dem Lebensweg von Gabito, so nennen Freunde den Kolumbianer.

Mit seinen skurrilen Szenen geht Baylys Blick arg durch das Schlüsselloch. Ein Literaturgigant ist um elf Uhr vormittags sturzbetrunken, ein anderer trinkt nur kalte Milch. Männer plustern sich auf als Weiberhelden und eitle Macho-Gockeln. Dabei werden sie von Finanzsorgen, Hämorrhoiden und Seitensprüngen heimgesucht wie der Verkäufer von der Imbissbude um die Ecke.

Der Leser wundert sich über die Schrullen und Affigkeiten der Nobel-Schriftsteller. Manche der erzählten Anekdoten ist wahr, vieles erfunden. So hat es Jaime Bayly schon in seinen vorherigen Büchern gehalten. Einiges ist autobiografisch, anderes frei fantasiert. Die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Fiktion verschwimmen. Diese Herangehensweise führt zur spielerischen Fragestellung auf der Metaebene: Ist dieser Jokus nun wahr oder dem Erfindungsreichtum des Jaime Bayly entsprungen?

Jaime Bayly, 1965 in Lima in Peru geboren, erzählt von Boom des Magischen Realismus. Von Pablo Neruda bis Carlos Fuentes kommt jeder Autor von Rang und Namen in Baylys Roman vor. Dieser Zug durch die Gemeinde ist reizvoll und macht traurig zugleich. Voller Reiz, weil er ein Wiedersehen mit den Idolen der Vergangenheit ermöglicht. Wehmütig, da mit dem Ableben von Mario Vargas Llosa im April 2025 diese goldene Literaturepoche endgültig ihr Ende gefunden hat.

Willi Zurbrüggen übersetzt die überdrehten Drolerien virtuos ins Deutsche. Wenn man am Ende dieser irren Geschichte den Buchdeckel zuklappt, bleibt man mit

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Eine etwas andere Sicht auf berühmte Autoren: Actionszenen der Weltliteratur

111 Actionszenen der Weltliteratur
Eine bemerkenswerte Neuerscheinung. Die andere Bibliothek: 111 Actionszenen der Weltliteratur.

In diesem neuen Buch zeigen sich gefeierte Autorinnen und Autoren der Weltliteratur, wie wir sie bislang nicht kannten: mitten im Geschehen, im Nahkampf und im Getümmel. Als Schurken, Opfer oder Helden. Tolstoi, Proust, Shelley und viele andere in Action!

Der Leser ist mit dabei, als Cervantes in der Schlacht von Lepanto kämpfte. Als Tolstoi von einem Bären gebissen wurde. Als Jules Verne Achterbahn fuhr und Antoine de Saint-Exupéry vier Bruchlandungen überstand. Als die Schwestern Brontë den Weltuntergang erlebten. Als Marcel Proust sich duellierte und die Polizei nach Agatha Christie fahndete. Als Mary Shelley am Genfer See ihr Monster traf und Emily Dickinson den Sturm der Liebe erlebte. Als Bob Dylan sich in Woodstock das Genick brach und David Foster Wallace im Fitnessklub zu Boden ging.

Diese Neuerscheinung sammelt die besten Geschichten aus der beliebten Serie in der LITERARISCHEN WELT, herausgegeben von Mara Delius und Marc Reichwein. Die großartige grafische und editorische Gestaltung dieser Novität durch Manja Hellpap im Rahmen der Anderen Bibliothek im Aufbau Verlag bleibt hervorzuheben.

Und auch Ernest Hemingway mischt bei den Actionszenen mit. Wie sollte es anders sein! Ich habe in dem Band die Ehre, von seinen beiden Flugabstürzen in Ostafrika zu erzählen. Schlimm, die beiden Unglücke im Jahr 1954 bilden so etwas wie den gesundheitlichen Kipppunkt seines Lebens. Aber der Haudegen aus Oak Park bei Chicago nimmt das Schicksal mit Galgenhumor. Denn er ahnt, was da kommen wird.

Mara Delius, Marc Reichwein (Herausgeber):
111 Actionszenen der Weltliteratur
Verlag Die Andere Bibliothek
ISBN 978-3-8477-0483-6
384 Seiten

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Diese drei Kernpunkte erhöhen deutlich die Chancen von Autoren auf Verlagssuche

Die launige Meinungs-Kolumne.
Gerne zugespitzt. Nicht die Wirklichkeit. Meine Wirklichkeit. Von Wolfgang Stock, Ex-Cheflektor ECON Verlag.
Foto: Daniel Biskup.

Es ist die 100-Dollar-Frage für Neulinge auf Verlagssuche: Wie steigere ich meine Chancen bei Verlagshäusern, damit mein Manuskript angenommen wird? Auf welche Punkte achten Verlage am allermeisten? Was muss ich unbedingt berücksichtigen, damit Lektorate sich überhaupt wohlwollend mit meinem Manuskript befassen?

Wir gehen einmal davon aus, dass die Qualität eines angebotenen Manuskriptes gut ist, dass der Autor sein Handwerk einigermaßen beherrscht und das Thema nicht zu weit hergeholt ist. Und auch die Umsetzung sollte stimmen. Das Manuskript sollte also mehr oder weniger veröffentlichungsreif sein.

Während meiner Berufspraxis habe ich Hunderte von Manuskript-Einreichungen gesehen, gelesen und begutachtet. Drei Kernpunkte erscheinen mir wichtig. Besonders ein Kernfehler wird immer wieder gemacht und auf zwei weitere Aspekte wird meist zu wenig Aufmerksamkeit gelegt. Aus meiner Erfahrung – von der anderen Seite des Schreibtisches sozusagen – sollte ein Autor oder eine Autorin auf Verlagssuche deshalb die nachstehenden drei Dreh- und Angelpunkte bei der Bewerbung sorgfältigst herausarbeiten.

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Kann man mit dem Schreiben von Büchern wirklich Geld verdienen?

Die launige Meinungs-Kolumne.
Gerne zugespitzt. Nicht die Wirklichkeit. Meine Wirklichkeit. Von Wolfgang Stock, Ex-Cheflektor ECON Verlag.
Foto: Daniel Biskup.

Ein Verlagskollege aus der kaufmännischen Abteilung hat mir einmal resigniert zugeraunt, das Buch sei ein Cash-Fresser. Denn ein Verlagshaus gehe mächtig in Vorleistung: Lektorat, Herstellung, Druck, Auslieferung. Dann sei ein Buch in den Handel, allerdings noch ohne Umsatz. Nach zwei Monaten im Buchhandel sieht der Verlag zum ersten Mal Geld für das Buch. Vielleicht.

Hingegen gibt es Medienprodukte, die sind Cash-Erzeuger. Abo-Zeitschriften zum Beispiel. Im Abonnement zahlen der Leser und die Leserin meist ein ganzes Jahr im Voraus, der Verlag kann nun zwölf Monate mit dem vorgestreckten Geld arbeiten und liefert die zugesagte Leistung erst nach und nach.

Doch das Buchgeschäft steht per se nicht auf der Sonnenseite der Medienbranche. Betriebswirtschaftlich macht das Verlegen von Büchern nur wenig Sinn. Zu kleinteilig und mit zu ungewisser Absatzerwartung. Denn den Erfolg kann keiner planen. Die Bilanz der Großverlage sieht deshalb arg mau aus: Nur 20 Prozent der Bücher in einem arrivierten Verlagshaus gelten als Erfolge, 80 Prozent sind Flops.

Jene 20 Prozent Erfolgstitel sind allerdings noch keine Bestseller. Sondern lediglich Titel, die sich kaufmännisch rechnen. Richtige Bestseller sind nur die ganz obere Spitze. Ein, zwei Dutzend in Deutschland, im Jahr, über alle Verlage gesehen. Die Ansprüche werden von Jahr zu Jahr niedriger geschraubt. Kollegen stöhnen gerade in diesen Tagen, dass die Titel, die wirklich Geld verdienen, immer weniger werden.

Im Laufe der Jahre hat sich die Definition von „Bestseller“ nach unten geschoben. Wer heute 20.000 oder 30.000 Bücher im Hardcover verkauft, ist ein Bestseller-Autor. Früher haben wir erst ab 100.000 gelächelt, ab 200.000 verkaufte Exemplare gejubelt. Gedruckte Bücher im sechsstelligen Bereich werden immer seltener.

Diese Entwicklung ist dramatisch, auch weil dadurch weniger Geld hereinkommt, um Innovationen und Experimente zu finanzieren. Und je weniger Bestseller es gibt, desto weniger Geld steht zur Verfügung, die Flops finanziell auszugleichen. Wenn dann auch die Flops noch zunehmen, wird es arg eng in der Bilanz. Bücher müssen kaufmännisch abgeschrieben werden, da rutscht man leicht ins Rote. 

Spiegelbildlich sieht die Situation bei den Autoren aus. In unserem Land gibt es wenige Autoren und Autorinnen, die mit dem Schreiben wirklich wohlhabend geworden sind. Fast alle bei Großverlagen. Doch selbst bei einem stattlichen Garantiehonorar von, sagen wir mal, 50.000 Euro und alle zwei Jahre ein neues Buch, bleiben einem erfolgreichen Verlagsautor nach Abzug von Agentur-Provision, Steuern, Krankenkasse und privater Altersvorsorge nicht allzu viel übrig.  

Selbst für einen gut verkaufenden Schriftsteller hierzulande sieht die Realität trostlos aus: Ein ansatzweise erfolgreicher Autor verdient

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Wie hoch schätzen Sie den Marktanteil von E-Books?

Die launige Meinungs-Kolumne.
Gerne zugespitzt. Nicht die Wirklichkeit. Meine Wirklichkeit. Von Wolfgang Stock, Ex-Cheflektor ECON Verlag.
Foto: Daniel Biskup.

Wenn man Branchenfremde fragt, wie hoch sie den Umsatzanteil der E-Books am gesamten Buchmarkt in Deutschland einschätzen, dann kann es abenteuerliche Antworten regnen. Ich habe es mal unter Freunden versucht, die mit dem Buchmarkt nichts zu tun haben. Zwischen 25 und 80 Prozent lauten die Schätzungen des Marktanteils. Oha! Lassen wir einfach die Statistik sprechen!

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels schaut alljährlich auf die Entwicklung der E-Books. Umsatz und Absatz seien im Jahr 2022 nur mäßig gewachsen. Nach starken Umsatzzuwächsen in den Corona-Jahren 2020 (+17,8%) und 2021 (+9,6%) konnte im ersten Halbjahr 2022 nur noch ein kleiner Umsatzzuwachs von 3 Prozent verbucht werden.

So weit, so gut. Erstaunen hingegen dürfte manchen Beobachter der Umsatzanteil, den die E-Books am gesamten Publikumsmarkt erreichen. Er liegt bei mickrigen 8,1 Prozent. Tendenz stagnierend. Und: Vor einigen Jahren ist der Anteil schon einmal wesentlich höher gewesen. Die Träume von einem Boom der E-Books sind nach und nach zerstoben. Weit über 90 Prozent der Buchkäufer wollen nach wie vor ein gedrucktes Produkt.

Bei Großverlagen spielt das E-Book im Produkt-Mix nur eine komplementäre Rolle. Für Nischen und Self Publisher mag das E-Book bisweilen funktionieren, insbesondere wenn man kreativ an der Preisschraube dreht. Es ist per se nicht schlecht, wenn ein Kunde die Auswahl erhält, eine gedruckte oder elektronische Version zu erstehen. Und dennoch muss es Gründe dafür geben, weshalb der Anteil der E-Books am Gesamtmarkt so niedrig ist.

Denn vor Jahren hatte man sie uns als disruptive Umwälzung angekündigt. Die E-Books sollten das Ende des Gutenberg-Zeitalters einläuten. Was hatte man uns nicht alles vorgeschwärmt: Diese elektronischen Bücher würden ein neues Zeitalter der Literatur einläuten, das Bücherlesen unabhängig von Zeit und Raum. Mit nützlichen Features wie dem Verstellen der Schriftgröße oder einer Merk- und Suchfunktion.

Für die Produzenten von E-Books würden paradiesische Zeiten anbrechen mit geringen Produktions- und Logistikkosten. Bestellt und geliefert werde auf Knopfdruck. Kein nerviges Vertrösten mehr im Buchhandeln und das Warten auf die Libri-Kiste am nächsten Tag. Ja, eigentlich könne der Händler seinen ollen Laden gleich ganz dichtmachen, die Buch-Revolution werde alles platt walzen.

Aber wie das mit Revolutionen halt so ist, manche Ideen gehen gründlich in die Hose. Man lässt sich von der neuen Technologie heißmachen und verliert dabei den Blick für die Vorteile der tradierten Lesegewohnheiten. Technik statt Mensch – das geht schief. Denn beim Hype um das E-Books sind die Wettbewerbsvorteile des gedruckten Buches vergessen worden. Und die sind – seit Jahrhunderten – nicht von der Hand zu weisen.

Eigentlich ist das herkömmliche Medium, das gedruckte Buch, ein an sich perfektes Produkt. Handlich, bequem, portabel. Auch für das lesende Auge des Menschen scheint es ideal. Die schwarze Type steht kraftvoll auf weißem Papier. Schwarz auf weiß. Besser geht es nicht, das wird jeder Designer bestätigen. Keine Überraschung, dass für ausführliche Texte die Papierform nach wie vor unschlagbar ist.

Eines kommt hinzu: Das Buch ist ein durch und durch sinnliches Medium. Gute Bücher kommen als kleine Kunstwerke daher, mit feinen Kapitälchen und einem warmen Schriftbild. Mit langlebiger Fadenbindung und hübschen Lesebändchen. Ein aufwändig hergestelltes Buch wird gesammelt, gehegt und gepflegt. Es ist, im Bücherschrank stehend, der Ausdruck von Bildung und Kultiviertheit.

Das elektronische Buch hingegen ist ein kaltes Medium aus Flimmerschrift mit einem Lämpchen hintendran. Es erfüllt funktional durchaus seine Aufgaben, aber es packt uns nicht so emotional, wie dies ein gedrucktes Buch tut. Wer die Sinnlichkeit großer Bibliotheken erlebt hat, kennt den Unterschied. Es grenzt an Selbstüberschätzung, ein an sich perfektes Produkt durch ein unvollkommenes ablösen zu wollen.

Und nicht zuletzt: Der Reiz eines gedruckten Buches liegt gerade in seiner linearen Struktur. Das Lesen von der ersten bis zur letzten Seite entspricht einer natürlichen Rezeptionsgewohnheit des Menschen. Die Endlichkeit eines Buches – im Gegensatz zur Unendlichkeit der virtuellen Welt – vermag Erreichtes, Erfolgtes und Wohlbehagen zu stimulieren. Es hat auch etwas Tröstliches.

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Ihre Strategie ist falsch!

Die launige Meinungs-Kolumne.
Gerne zugespitzt. Nicht die Wirklichkeit. Meine Wirklichkeit. Von Wolfgang Stock, Ex-Cheflektor ECON Verlag.
Foto: Daniel Biskup.

Manchmal, bei Verhandlungen über Kooperationen, habe ich meine Gesprächspartner von der anderen Seite mit einer scheinbar seltsamen Frage überfallen: Wo liegt Ihr Engpass? Selbst leitende Verlagsmanager schauten mich daraufhin verdutzt an, als käme ich von einem anderen Stern.

Mir ist das Engpass-Denken im Buch- und Zeitschriftenbereich immer wichtig gewesen. Zum Beispiel bei Akquisitionen, Kooperationen und Partnerschaften. Eine Engpass-Analyse ist für mich immer ein wichtiger Gradmesser gewesen für die Sinnhaftigkeit einer wie auch immer gearteten Zusammenarbeit.

Ideal ist, wenn der Partner den Engpass des anderen Partners beheben kann. Strategische Kooperation umschreibt man dies. Wenn ein Partner die gleichen Stärken, und vor allem die gleichen Schwächen wie der Kooperationspartner besitzt, macht eine Zusammenarbeit eigentlich wenig Sinn.

Das Engpass-Denken hat in Deutschland ein Berliner Betriebswirt populär gemacht. Wolfgang Mewes hieß der Mann. Im Juli 1989 haben Hero Kind und ich Wolfgang Mewes in Frankfurt am Main besucht. Mewes empfing uns in seinem schmucklosen Konferenzraum und blieb mir als angenehmer und vor allem ziemlich aktiver Gesprächspartner in Erinnerung.

Wolfgang Mewes, ein Herr im besten Alter, ist der Erfinder der EKS gewesen, der Engpass Konzentrierten Strategie. Die EKS als praxisnahe Strategielehre umwallte im Deutschland der 1970er und 1980er Jahre eine legendäre Fama. Wolfgang Mewes hatte seine Theorie Anfang der 1970er Jahre mit Blick auf den Mittelstand entwickelt. Viele deutsche Kleinfirmen haben nach seinen klaren und stringenten Prinzipien gearbeitet.

Eigentlich beschrieb Wolfgang Mewes das Erfolgsgeheimnis der Hidden Champions im deutschen Mittelstand. Der Berliner vom Jahrgang 1924 ist im Jahr 2016 in Wiesbaden verstorben. Sein Werk hat ihn überlebt. Die EKS kommt aus Praxis und ist auf die Praxis zugeschnitten. Mewes hat sich zahlreiche erfolgreiche Unternehmen angeschaut und seine Theorie aus dieser Exzellenz entwickelt.

Dabei arbeitet die EKS-Strategie mit vier erprobten Prinzipien aus der tagtäglichen Praxis:

  • die Besinnung auf eigene Stärke,
  • die Konzentration auf den Engpass,
  • in die Marktnische gehen, spitz statt breit,
  • dort die Marktführerschaft anstreben.

Kurz: Seine Kreativität und Kraft konzentriert zum Nutzen einer engen Zielgruppe einsetzen. 

Und Wolfgang Mewes gewährte uns

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Darauf achten Verlagslektoren am meisten bei eingereichten Manuskripten

Autoren-Brief
Die launige Meinungs-Kolumne.
Gerne zugespitzt. Nicht die Wirklichkeit. Meine Wirklichkeit. Von Wolfgang Stock, Ex-Cheflektor ECON Verlag.
Foto: Daniel Biskup.

Gibt es einen Tatbestand, der bei der Verlagssuche gleich zu einem Ausschluss führt? Auf was achten Lektoren oder Literaturagenten am meisten bei unverlangt zugesandten Manuskripten? Worauf muss ich als Autor besonders achten, wenn ich von einem Verlag oder von einer Literaturagentur überhaupt zur Kenntnis genommen werden will.

Ich werde hier eine Antwort versuchen. Zunächst, den Lektor oder den Literaturagenten gibt es nicht. So verschieden die Menschen, so unterschiedlich auch ihre Herangehensweise. Der eine Lektor legt besonderen Wert auf jenes, der andere Lektor auf dieses.

Insofern können wir hier nicht die Elle anlegen wie der Maßschneider bei seiner Arbeit. Ich kann jedoch davon berichtet, wie mein Team und ich es gehalten haben. Lange Zeit bin ich Cheflektor in einem großen Sachbuch-Verlag mit Millionen-Umsätzen gewesen, anschließend Geschäftsführer. Bei meiner Arbeit kam immer wieder dieser eine Aspekt ans Licht, auf dessen Erfüllung ich stets bestanden habe. Ohne das Einlösen dieses Kriteriums ist selbst das beste Manuskript im Papierkorb gelandet.

Sicherlich, die anderen Parameter sind auch wichtig gewesen. Thema und Verlag müssen harmonieren, geschenkt, die allererste Selbstverständlichkeit. Dazu ein schlüssiger Aufbau des Manuskriptes, ein packender Stil, die korrekte Orthografie und eine fehlerfreie Grammatik. Alles von Bedeutung, keine Frage. Aber das meiste eben auch Rahmenbedingungen, die sich zur Not in einem guten Lektorat ausbessern lassen. 

Doch mein Killer-Kriterium lässt sich nicht ausbessern. Dieser Schwachpunkt ist vorhanden oder eben nicht. Ich will Sie nicht auf die Folter spannen. Mein wichtigstes Merkmal bezieht sich auf das Verhältnis Text zu Autor. Es kreist um die Frage: Ist der Autor glaubwürdig als Verfasser dieses Manuskriptes? Ist er sachkundig und beschlagen, dieses Buch zu schreiben?

Die Lektorate nennen diesen Aspekt heute Autorenkompetenz. Was befähigt den Autor oder die Autorin, gerade dieses Buch zu schreiben? Der Autor muss das Thema glaubwürdig vertreten. Denn sonst wird es spätestens bei der Vermarktung peinlich. Über einen Rechtschreibfehler kann man großzügig hinweg schauen, nicht aber über mangelnde Kompetenz.

Autorenkompetenz bedeutet nicht, dass man

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