Tipps und Infos rund ums Schreiben und Verlegen

Autor: Wolfgang Stock Seite 10 von 12

Karl Popper mag keine Wahrheiten

In den Jahren, als man begann, nicht mehr gar so blöd zu sein, also so mit Mitte zwanzig, tritt ein Philosoph in mein Leben, der mein Denken und mein Handeln fortan bestimmen sollte.

Die Rede ist von dem Österreicher Karl Raimund Popper, einem kleinen Mann mit einem großen Geist. Er begründete die Denkrichtung, die die Wissenschaft als Kritischen Rationalismus, manchmal auch als Neopositivismus, bezeichnet.

Durch unser Wissen unterscheiden wir Menschen uns nur wenig, in unserer grenzenlosen Unwissenheit aber sind wir alle gleich. Das menschliche Wissen, so Karl Popper, sei mehr ein kritisches Raten, ein Netz von Hypothesen, eine Ansammlung von Vermutungen.

Poppers Denkansatz kennt folglich auch keinen Absolutheitsanspruch. Eine endgültige Wahrheit gebe es nicht. Es gibt nur Annahmen, wie er es nannte, Annahmen über die Wirklichkeit. Diese Annahmen gelten als

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Helen Gurley Brown erfindet das beste Frauenblatt

Photo by W. Stock

Palo Alto/California, im Juli 2005

Die beste Zeitschrift der Welt? Schwierig! Das beste Frauenblatt auf diesem Globus? Einfacher! Ich tippe auf Cosmopolitan.

Die Lektüre für die Frau von heute zeigt sich ganz auf der Höhe der Zeit: Karrieretipps, Gesundheitsthemen, viel Beziehungskram Auch Sex, stets pikant, aber alles noch im gutbürgerlichen Rahmen.

Nicht nur in den Vereinigten Staaten hat dieses Magazin für Furore gesorgt, auch die 58 Lizenzausgaben von Finnland bis Malaysia zeugen davon, wie überzeugend die Cosmo das Lebensgefühl junger, moderner Frauen ausdrückt.

Dass Cosmo so gut ist wie sie ist, verdankt sie vornehmlich einer Frau. Helen Gurley Brown. Unglaubliche

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Ein ziemlich schlaffer Playboy

Das hübsche Magazin, das auf den Namen Playboy hört, ist eine Ikone am Zeitschriftenmarkt. Es hat ganze Generationen vergnügt, weil man Freizügigkeit nicht nur erotisch definierte. Auch vielerlei Rebellen – politische und literarische – fanden sich auf den Seiten des Hochglanzblattes. In hitzigen Interviews, schnellen Reportagen oder versierten Buchtipps.

Doch heute greifen immer weniger Käufer zu dem Nackedei-Blatt. In den wilden 70er Jahren gingen in den USA von dem Magazin noch mehr als 7 Millionen Hefte über – oder unter – die Ladentheke. Heute wird nur ein Bruchteil davon verkauft.

Dem Gründer Hugh Hefner, der tagsüber gerne im Bademantel aufläuft und von Blondinen eskortiert wird, die es vielleicht auf ein Viertel seines Alters bringen, flutscht das Magazin mehr und mehr aus den Händen. Und vielleicht kommt ja auch Private Equity-Geld ins Spiel oder ein Hedge Fonds, und eine Heuschrecke frißt dann das arme Häschen.

Doch Mitleid kann man sich sparen. Denn es gibt kaum eine Zeitschrift, die so wenig

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Almost Free Paid Content

Wenn man sich die Medienlandschaft in den USA einmal betriebswirtschaftlich anschaut, dann kriegt man schnell Pickel. Man fasst sich an den Kopf, man wundert sich über dieses Tollhaus!

In den Vereinigten Staaten wird zwar leidenschaftlich über Paid Content für Online-Angebote diskutiert, aber den Content für Print-Produkte gibt man für’n Appel und ein Ei an seine treuen Leser.

Eine gute Zeitschrift in den USA kostet heutzutage im Abonnement 10 Dollar, das sind knapp 8 Euro. Wohlgemerkt, dies ist nicht der Preis für ein einzelnes Heft, sondern der Preis für ein ganzes Jahr. 12 Hefte für 8 Euro. Inklusiv Versandkosten.

So verlangt SmartMoney (vom Wall Street Journal), das eigentlich FewMoney heißen müsste, 10 Dollar für 12 Ausgaben. Das kultige Jugend- und Kulturmagazin Rolling Stone stellt bescheidene 39,96 Dollar für 78 Ausgaben in Rechnung.

Esquire – in dem Heft für den gehobenen Stand hat schon Maestro Hemingway geschrieben – gibt es zum heran nahenden Osterfest noch günstiger. Die glanzvolle Kultur- und Lifestyle-Postille kostet lediglich

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Der ECON Zukunftstag

Anfang der 90er Jahre. Der ECON Verlag besinnt sich auf seine Wurzeln, auf das Themengebiet Wirtschaft und Management. Mit neuen Büchern und Buchreihen. Dafür hat Verleger Hero Kind mich nach Düsseldorf geholt. Aber wir wollen auch ins Non Book-Geschäft diversifizieren.

Seminare und Kongresse. Diese Ausweitung des Geschäftes erscheint uns als logische Fortsetzung des Verlegens. Warum nicht all die Starautoren des Verlages für einen Tag nach Düsseldorf holen und vor Publikum über ein Thema reden? Die Idee ist geboren. Hero Kind, ein Mann mit spontanen Einfällen und Geistesblitzen, hat direkt auch die Überschrift parat: der ECON Zukunftstag.

Das Monatsmagazin Capital – in jenen Tagen unter Johannes Gross und Rolf Prudent, das Elitemedium in der Wirtschaft – steigt als Medienpartner ein. Der Kieler Designer Klaus Detjen entwirft ein einprägsames Logo, das in die Höhe gereckte Piktogramm-Männchen, farbenfroh und stark. Empowerment, werden die Amerikaner diese Haltung Jahre später nennen.

Das Philosophie des Zukunftstages ist:

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Ein Treffen mit Tom Peters

Wolfgang Stock und Tom Peters. Frankfurt/Main, den 2. Oktober 1992; Photo by Hasso v. Bülow

Ein cooler Typ. Wirklich cool. Von den jüngeren amerikanischen Management-Beratern und Wirtschafts-Autoren ist dieser Mann der beste. Und wohl auch der originellste. Auf der Bühne erst recht.

Und er ist einer meiner Lieblingsautoren. Diesen Tom Peters mag ich als Vordenker, als Vortragsredner und auch als Mensch. Denn er ist ein bunter Hund, ein richtig bunter und wilder Hund.

Tom wurde mit einem Buch über Nacht berühmt. In Search of Excellence, das erste Management-Buch, das über eine Million Mal verkauft wurde. Zu Deutsch heißt das Werk Auf der Suche nach Spitzenleistungen. Bei meinem ersten Arbeitgeber erhielt jeder Mitarbeiter ein Exemplar dieses Werkes, Mitte der 80er Jahre das Nonplusultra.

Thomas J. Peters, wie er sich damals noch nannte, hatte das Werk mit seinem McKinsey-Kollegen Robert Waterman 1982 geschrieben. Das Thema des Buches: Was haben erfolgreiche Unternehmen eigentlich gemeinsam?

Peters & Waterman haben sich damalige Top-Firmen unter dieser Fragestellung angeschaut. Und die Antwort auf diese interessante Frage lautet: Kundennähe, Action statt Palaver, Freiräume für Mitarbeiter, Flexibilität im Denken, unternehmerischer Geist und das Vorleben von Werten.

All das überrascht nicht, man hat

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Ein Treffen mit Leo Brawand

Brawand

Leo Brawand, Manager sind auch nur Menschen

Es ist das einflussreichste Magazin in Deutschland nach dem Krieg. Das Sturmgeschütz der Demokratie. Die Skandalaufdecker vom Dienst. Jene Wochenzeitschrift mit dem roten Rahmen aus Hamburg. Der Spiegel. Als Gründer kennt man Rudolf Augstein, er war der Mann vor, hinter und über dem Magazin.

Doch neben Augstein und Johannes K. Engel gab es noch einen anderen Mann, der den Spiegel prägte. Leo Brawand. Ein Mann der ersten Stunde.

Ich lernte Leo Brawand 1993 kennen, als er bei ECON ein amüsantes Management-Brevier verlegte. Manager sind auch nur Menschen, ein köstliches Buch über die Eitelkeiten und Marotten der hiesigen Wirtschaftselite. Den hübschen Titel haben Leo Brawand und ich gemeinsam ausbaldowert.

Dies ist ein Buch mit vielen Anekdoten aus der weiten Welt des Managements, mal lustig, mal listig, auf jeder Seite mit einem hintersinnigen Humor und hohem Unterhaltungswert ausgestattet. Als ehemaliger

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Ein Treffen mit Milton Friedman

Der Hoover Tower in der Stanford University, Palo Alto; Photo by W. Stock

Wem das Privileg zuteil wird, längere Zeit beim ECON Verlag als Cheflektor für Wirtschaftsbücher arbeiten zu dürfen, der lernt viele Größen der Wirtschaftswissenschaften kennen. Es war eine schöne Zeit in Düsseldorf, mit vielen beeindruckenden Begegnungen. Aber, wer ist denn in diesen Jahren mein wichtigster Autor gewesen, wer der brillanteste Denker?

Nicht jener, der am lautesten brüllen konnte oder der am häufigsten in den Klatschspalten der Zeitungen auftauchte. Nein, nein, ich meine den wirklich wichtigsten Autor. Jenen, der unser Zeitalter nachhaltig geprägt hat. Einen, der Politik und Wirtschaft verändert hat, der neue Ideen und Visionen vorangetrieben hat. Einer mit ganz großen Fußspuren.

Da muss ich nicht lange überlegen. Mein wichtigster Autor war Milton Friedman. Mit ihm habe ich 1992 das Buch Geld regiert die Welt gemacht, das im Original Money Mischief hieß und im gleichen Jahr bei Harcourt Brace Jovanovich in New York erschien.

In dem Werk geht es um die Anfänge des Geldverkehrs. Geld, das war das zentrale Thema von Friedman. The social responsibility of business is to increase its profits. Nicht nur wegen solch marktradikaler Aussagen war Milton Friedman hierzulande nie gut gelitten. Sein Denken blieb im sozialdemokratisierten Deutschland, wenn man so sagen darf, ökonomisch

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Ein Treffen mit Johann Löhn

Johann Löhn

Johann Löhn, Wolfgang Stock; München, im Mai 2011

Dieser Mann ist eine Koryphäe hierzulande. Ein Vordenker, ein Querdenker und manchmal vielleicht auch ein Querkopf. Physiker, Hochschullehrer, dann Beauftragter für Technologie der Landesregierung unter Lothar Späth, Gründer und nun Präsident der Steinbeis-Hochschule, einer formidablen Privatuniversität in Berlin.

Professor Johann Löhn ist sicherlich ein Denker, aber eben auch ein zupackender Macher. Schon in seiner Studentenzeit hat er ein System entwickelt, das in Sachen Selbstmanagement zum überzeugendsten gehört, das auf dem Markt zu haben ist: das Löhn-System. Dieser Methode gelingt die intelligente Vernetzung von Zielen, Projekten und Aktivitäten.

Mit dem Löhn-System bin ich 1988 in Kontakt gekommen, auf Empfehlung meines damaligen Vorgesetzten Hero Kind. Seit nun fast einem Vierteljahrhundert arbeite ich mit dem kleinen schwarzen Planbuch. Mit

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Ein Treffen mit John Kenneth Galbraith

Düsseldorf, den 21. Mai 1992; Photo by Hasso von Bülow

Ein Riese. Ein ganz Großer. Körperlich groß, sicherlich zwei Meter, und ein ganz Großer der Wirtschaftswissenschaften sowieso. John Kenneth Galbraith und seine Frau steigen aus der Limousine, die das Paar aus Hamburg bringt, und er begrüßt mich freundlich.

Galbraith ist einer der meinungsbildenden Vordenker der klassischen Volkswirtschaftslehre. Und zudem einer, der oft und gerne gegen den Strich bürstet. Unter den großen Volkswirten sticht er durch eine gehörige Portion Eigensinn hervor.

Den Begriff Marktwirtschaft beispielsweise hielt er für eine arglistige Verbrämung der Bezeichnung Kapitalismus, als dieser in den 50er Jahren zum Unwort mutierte. John Kenneth Galbraith gefiel sich in seiner Rolle als Querdenker der Nationalökonomie. Galbraith plädierte für Preiskontrollen, für Staatsinterventionismus, für Rationierung und ähnliche obskure Instrumente aus der Mottenkiste der Linken.

Im akademischen Wettstreit des letzten Jahrhunderts waren die Fronten damit klar abgesteckt. In der orangen Mannschaft spielten

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