
Heute treffen Alarm-Zahlen aus Spanien ein. Die zunehmende Zahl von Neuerscheinungen führt zwar zu einer bibliografisch höheren Vielfalt. Die Zahlen des Branchenverbandes CEGAL (Confederación Española de Gremios y Asociaciones de Libreros) jedoch geben Anlass zur Sorge. Die Verkäufe brechen dramatisch ein: Nur 4,5 Prozent der Bücher erreichen eine Verkaufsauflage von mehr als 100 Exemplaren.
Nun ist Spanien seit jeher eine Kulturnation mit eher audio-visueller Prägung. Trotz Top-Autoren und dem riesigen lateinamerikanischen Markt ist die Infrastruktur unterentwickelt geblieben. Mit nur wenigen gut entwickelten Verlage, dazu landesweit mit einem dünnen Netz an Buchhandlungen. Und dennoch hat sich in den letzten Jahren eine ungute Entwicklung beschleunigt.
Das Internet dominiert auch die iberische Halbinsel. Auch nimmt die Konzentration auf Verlagsseite zu. Den Konzernen mit ihrem betriebswirtschaftlichen Rigorismus gelingt es nicht ausreichend, neue Autoren zu entdecken. Den Autoren hingegen fällt es selbst immer schwerer, auf sich aufmerksam zu machen.
Eine andere Zahl liest sich fast wie ein Todesstoß. Erschreckende 49,4 Prozent der in den 1.100 Buchhandlungen Spaniens erhältlichen Bücher verkaufen im Laufe eines Jahres kein einziges Exemplar. Die Zahl bezieht sich auf alle unabhängigen Buchhandlungen sowie die großen Ketten. Nicht berücksichtigt ist Amazon. Die Hälfte der Bücher bleibt also bei null.
In Deutschland ist die Situation nicht ganz so garstig. Doch in der Tendenz vergleichbar. Es laufen einfach zu viele Trends gegen die Buchbranche. Gefahr an jeder Straßenecke: die Stärke von Online, der Kostendruck durch Mieten und Gehälter, der explodierende Papierpreis, eine digitale Transformation, die am Printprodukt steckenbleibt.
Auch das Schulbuch-Geschäft, sonst eine sichere Bank, leidet unter der Digitalisierung im Unterricht. Hausgemacht für alle Branchen des Einzelhandels: Die Innenstädte tun sich zunehmend schwer, dem Publikum attraktive Verkaufserlebnisse zu bieten. Als Schicksal droht der Leerstand von Verkaufsflächen.
Es sieht nicht gut aus für dieses wundervolle Produkt namens Buch. In den schicken Häusern und Wohnungen wird heutzutage gar ganz auf eine Bücherwand verzichtet. Es ist ein langer Prozess weg von Print. Langsam, aber wer die Augen aufmacht, sichtlich und spürbar.
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